
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
mit einem fröhlichen „¡Hola!“ aus Peru melden wir uns und möchten Sie auf eine kleine Reise in unseren bunten Schulalltag mitnehmen. Was wir so sehr an unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort schätzen, ist ihre Lebensfreude und die Begeisterung, mit der sie Traditionen und Kultur feiern – herzlich, kreativ und voller Gemeinschaftsgeist.
Vielleicht fragen sich einige von Ihnen nun: Und was ist mit dem Unterricht? Keine Sorge! Die Schultage sind weiterhin prall gefüllt mit Spanisch, Englisch, nicht zu wenig Mathematik, Naturwissenschaften, Religion, Sport, Kunst und vielem mehr. Aber: Das Feiern hat hier seinen festen Platz – und das mit gutem Grund. Denn Feste bringen die Gemeinschaft zusammen, lassen Tradition lebendig werden und schaffen bleibende Erinnerungen – für Kinder wie Erwachsene.
Im Mai haben wir mit der ganzen Schulgemeinschaft den Tag der Kartoffel – El Día de la Papa gefeiert. Wussten Sie, dass die Kartoffel ursprünglich aus Peru stammt und es dort über 3.000 verschiedene Sorten gibt? Unsere Schülerinnen und Schüler präsentierten in bunten Projekten, Tänzen und Ausstellungen die Vielfalt der Kartoffel – von ihren traditionellen Anbaumethoden bis zu leckeren Gerichten, die sie mit ihren Familien vorbereitet hatten. Es wurde probiert, gestaunt und gelacht – und natürlich auch getanzt!
Im Juni folgte dann das farbenfrohe Fest zu Ehren des Heiligen Johannes – El Día de San Juan. In vielen Regionen Perus ist dieses Fest tief verwurzelt und wird mit Musik, Umzügen, traditionellen Speisen und Tänzen begangen. Auch unsere Schule verwandelte sich für einen Tag in eine festliche Bühne: Kinder trugen traditionelle Kleidung, erzählten die Legenden rund um San Juan und führten Lieder und Tänze auf, die sie im Unterricht eingeübt hatten. Es war ein fröhlicher und zugleich lehrreicher Tag, an dem kulturelles Wissen auf lebendige Weise vermittelt wurde.
Auch im Schulgarten tut sich viel: Einmal im Monat trifft sich die Gartengruppe der Eltern, um gemeinsam zu entscheiden, wie der Permakulturgarten weiter bepflanzt wird. Bei ihrem letzten Treffen fiel die Wahl auf verschiedenes Blattgemüse, das zwischen die inzwischen kräftig gewachsenen Bohnen gesetzt wurde. Rund um die jungen Obstbäume wird weiterhin Gemüse angepflanzt – sorgfältig abgestimmt auf die Jahreszeit und die Bedürfnisse des Bodens. Besonders schön: Ein Teil der Ernte fließt direkt in die Schulküche und wird für die Mittagsessenspakete verwendet, die viele Kinder täglich erhalten. So wird gesunde Ernährung Teil des Lernens – und die Eltern gestalten den Schulalltag aktiv mit.
Was uns dafür ärgert ist ein Blick nach Lima. In den vergangenen Tagen hat Präsidentin Dina Boluarte für großen Unmut gesorgt: Ihr Gehalt wurde auf umgerechnet über 10.000 €ur im Monat fast verdoppelt – etwa das 30‑fache des peruanischen Mindestlohns – während rund 30 % der Bevölkerung in Armut leben. Diese Entscheidung traf auf tiefes Unverständnis: Viele Peruanerinnen und Peruaner forderten stattdessen Investitionen in Krankenhäuser, Schulen und eine soziale Infrastruktur, die gerade ländliche und benachteiligte Gemeinden stark benötigen. Dabei wurde in Peru auch gerade wieder diskutiert, wie groß die Bildungsschere zwischen Stadt und Land in Peru ist. Während Kinder in städtischen Regionen besseren Zugang zu digitaler Infrastruktur, Schulmaterialien und qualifizierten Lehrkräften haben, bleiben viele ländliche Schulen unterversorgt – mit direkten Folgen für die Bildungs- und Lebenschancen der Kinder. In vielen abgelegenen Regionen fällt zudem regelmäßig der Unterricht aus oder Lehrpläne sind kaum auf die Lebensrealität der Kinder abgestimmt.
Auch wenn wir hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, ist es wichtig eben diesen Tropfen weiter zu sein.
Wir wünschen allen einen schönen Sommer und schicken sonnige Grüße aus Nueva Cajamarca und vom Villa Milagrosa Team

