In Peru ist Ostern (Semana Santa) eine der wichtigsten religiösen Feiertage des Jahres. Viele Menschen nehmen an feierlichen Prozessionen teil, vor allem am Karfreitag und Ostersonntag, bei denen ganze Straßenzüge mit Blumenteppichen geschmückt werden. Für viele Familien ist es zudem eine Zeit der Zusammenkunft und des Innehaltens – auch für das Peru-Team unseres Projekts. Die Fastenzeit wird meist ernst genommen, und an Karfreitag wird auf Fleisch verzichtet. Stattdessen gibt es Gerichte auf Fischbasis (z. B. mit paiche, einem typischen Amazonasfisch) und viele auf Maniok, Kochbananen und regionalem Gemüse basierende Speisen. Auch Süßspeisen wie mazamorra (eine Art Pudding aus Mais) oder arroz con leche (Milchreis) gehören dazu.
Auch das Villa Milagrosa Team hat in den vergangenen Monaten nicht nur an unseren Projekten gearbeitet, sondern auch mit Sorge auf globale Entwicklungen geschaut. Die Entscheidung der Trump-Regierung, die US-Entwicklungshilfe nahezu vollständig einzustellen, wird langfristige Folgen haben. Besonders betroffen sind dabei Programme der Katastrophenhilfe und Gesundheitsvorsorge – Hilfen, die Menschen weltweit direkt betreffen.
Auch in Deutschland gab es Diskussionen über die Eingliederung des Entwicklungsministeriums ins Auswärtige Amt. Dabei wird deutlich, wie sich der Fokus zunehmend von Solidarität hin zu wirtschaftlichen Interessen und sicherheitspolitischen Fragen verschiebt. Entwicklungszusammenarbeit muss sich immer wieder selbst hinterfragen. Doch ihr grundlegendes Ziel bleibt: strukturelle Ursachen von Armut und Ungleichheit zu bekämpfen, langfristige Perspektiven zu schaffen und Partnerschaften aufzubauen, die auf Solidarität und gegenseitigem Respekt basieren – nicht auf kurzfristigem Nutzen oder geopolitischen Interessen.
Ein Beispiel, das in den vergangenen Jahren öffentlich diskutiert wurde, ist die Förderung von Radwegen in Peru. Hier waren einige Fehlinformationen im Umlauf, wo wir anfangs geschmunzelt hatten, zeigt dies aber auch, wie wichtig Hintergrundsinformationen sind. Die immer wieder erwähnten Radwege, welche auf den ersten Blick wie ein absurdes Beispiel für fehlgeleitete Entwicklungszusammenarbeit erscheint, ist tatsächlich Projekt eines größeren, langfristig angelegten Programms für nachhaltige Stadtentwicklung. Es geht darum, in Millionenstädten wie Lima klima- und sozialgerechte Mobilität zu fördern – durch sichere Radwege, den Ausbau des Metro-Systems und bessere Luftqualität. Dieses Modell unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen Bild der Entwicklungszusammenarbeit als einseitiger „Hilfeleistung“. Es basiert auf dem Prinzip, dass Partnerländer von Deutschland wie Peru selbst entscheiden, welche Investitionen sie für ihre Zukunft tätigen wollen, und gleichzeitig Verantwortung für deren Finanzierung übernehmen. Solche Programme fördern nicht nur konkrete Infrastruktur, sondern auch politische Eigenständigkeit und langfristige Planung – und sie ermöglichen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Es geht nicht um Wohltätigkeit, sondern um gemeinsame Zukunftsgestaltung.
Unsere Form der Zusammenarbeit bei Villa Milagrosa ist viel kleinteiliger – aber nicht weniger wirksam. Als eines von vielen sogenannten Grassroots-Projekten arbeiten wir direkt mit lokalen Partner*innen zusammen. Diese Art der Entwicklungszusammenarbeit entsteht oft aus langjährigen persönlichen Kontakten, aus Engagement auf Augenhöhe und dem tiefen Vertrauen in die Fähigkeiten der Menschen vor Ort. Grassroots-Projekte spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Lücken zu füllen, die große Programme nicht erreichen – sei es in der Bildung, der Gesundheitsvorsorge oder der Stärkung von Zivilgesellschaft und Demokratie. Sie sind zugleich Ausdruck von globaler Solidarität und praktiziertem Aktivismus.
Im kommenden Jahr feiern wir unser 20-jähriges Bestehen – ein Meilenstein, der uns mit Stolz erfüllt. Heute wird ein Großteil der Arbeit bereits vom Team in Peru eigenständig umgesetzt. Für uns ist das ein großer Erfolg und Ausdruck der Nachhaltigkeit unseres Ansatzes.
Doch die Herausforderungen bleiben. Auch in Peru ist die politische Lage angespannt: Immer wieder gibt es Regierungskrisen, Rücktritte, Korruptionsskandale und Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen. Die Wirtschaft wächst kaum, während soziale Ungleichheiten weiter zunehmen – insbesondere in ländlichen Regionen. Gleichzeitig erleben wir, wie stark die Zivilgesellschaft ist: Lehrerinnen, Bäuerinnen, Studierende und lokale Organisationen engagieren sich tagtäglich für mehr Gerechtigkeit, Mitsprache und Zukunftsperspektiven.
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