Kaffee und die kochenden Frauen aus den Gemeinschaftsküchen

Während bei uns die Corona Pandemie eine kleine Sommerpause macht, ist die Situation in ganz Lateinamerika und auch in Peru sehr angespannt. Weltweit ist Peru auch das Land mit den prozentual meisten Toten. Zwar sind die Zahlen etwas gesunken, doch seit ein paar Tagen gibt es eine neue Variante, die Lambda Variante. Mit dem Impfen geht es etwas zögerlich voran, die Älteren sind mittlerweile alle geimpft und als nächstes sind die Lehrerinnen und Lehrer an der Reihe. Verimpft wird Pfizer/Biontech und Astrazeneca was über das Programm COVAX in das Land kommt. COVAX ist eine Initiative der WHO. Industrieländer geben hier Impfstoff an den globalen Süden weiter. Über Brasilien sind zusätzliche Sputnik Impfdosen bestellt. Eines der größten Probleme ist aber nach wie vor, dass es an Sauerstoff und Beatmungsgeräten für die Behandlung fehlt.

In Nueva Cajamarca findet der Unterricht nach wie vor meistens online statt. Wilmer und seine
Lehrerinnen drehen Videos und verschicken sie über WhatsApp. Unterrichtet wird per Telefon. Nur wenige Kinder sind in der Schule – also auch hier gibt es eine Art Notbetreuung.

Der globale Süden ist das Wort für die Ländergruppe so genannten Entwicklungs- und
Schwellenländer. Im globalen Süden ist die Pandemie weit mehr als eine Gesundheitskrise. Die sehr strengen Maßnahmen, die die Verbreitung des Virus stoppen sollten, haben den informellen Sektor, also die Einkommensquelle für den größten Teil der Weltbevölkerung ruiniert. Für eine Milliarde Menschen weltweit bedeutet das, dass sie täglich kaum Nahrung haben, weitere zwei Milliarden haben ein erhöhtes Risiko nicht ausreichend Nahrung zu bekommen. Wir sind insgesamt etwas mehr als sieben Milliarden auf dieser Welt. Die Pandemie hat eine Situation verschärft, die vorhersehbar war.

Die Pandemiezeit zeigt aber auf der anderen Seite auch ein sehr solidarisches Bild auf. In vielen
Ländern des globalen Südens hat ein eher altes Konzept wieder Hochform: die Suppenküche für die Nachbarschaft. In Peru werden sie “ollas communes” genannt, also gemeinschaftlicher Topf. Die Universität Coventry leitet ein Forschungsprojekt, das Suppenküchen weltweit begleitet. Das Team arbeitet auch mit einer Gruppe peruanischer Frauen zusammen. Gestern fand ein Webinar statt, indem Peruanerinnen, Palästinenserinnen, Libanesinnen, Südafrikanerinnen, Nepalesinnen und Engländerinnen (auch in England ist Hunger ein ernstes Problem) von ihren Erfahrungen berichtet haben. Ein zentrales Ergebnis war die Unermüdlichkeit der Frauen in der Pandemie diese Gemeinschaftsküchen am Laufen zu halten, natürlich unbezahlt, wie schon die Arbeit, die auch im eigenen Haus stattfindet: Kochen, Putzen, Homeschooling, das Budget zusammenhalten – also quasi ein Fulltime Managementjob – der aber von unserer Gesellschaft oft nicht gesehen wird. Ein zweites wichtiges Ergebnis war die Tatsache, wie die Regierungen die Augen davor verschließen was wirklich gebraucht wird. Oft bekommen die Gemeinschaftsküchen, die teilweise bis zu 500 Familien pro Tag versorgen keine staatliche Unterstützung und bekommen ihre Lebensmittel entweder über Nachbarschaftsspenden oder den eigenen Anbau. Supermärkte spenden teilweise abgelaufene
Produkte, oft aber auch Produkte, die die Leute selbst gar nicht essen wollen. Hier stellt sich die
Frage, wo die Würde in der Armut bleibt. Jeder sollte das Recht auf ausreichend und gesunde
Ernährung haben, auf Essen das auch kulturell das ist, was die Person essen möchte. Das ist ein Grundrecht – gegen das wir als Weltgemeinschaft täglich verstoßen. Eine der Peruanerinnen aus der Suppenküche hat nochmal dazu aufgerufen, wie wichtig es ist sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen, denn dann wird aus einer kleinen Suppenküche auch ein Teil einer größeren Bewegung.

Wer ein wenig Musik hören möchte, bei Spotify gibt es eine Liste „sabor peruano” – viele der Lieder sind Protest- und Bauernlieder, die von der Arbeit auf dem Feld, dem Reichtum der Natur oder der Solidarität von Gemeinschaften handeln.

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